Podenco Canario

Podenco Canario Stand

Der Podenco Canario gehört zur Gruppe der vom DWZRV betreuten windhundähnlichen mediterranen Jagdhunde. Seine Heimat sind die Kanarischen Inseln, eine zu Spanien gehörende Inselgruppe, die im Atlantik vor der Nordwestküste Afrikas gelegen ist. Erst in den letzten Jahren ist eine nennenswerte Anzahl von Exemplaren der Rasse nach Deutschland gekommen.

Die überwiegende Mehrzahl der Podencos auf den Kanarischen Inseln befindet sich seit jeher in der Hand von Jägern, die ausschließlich für jagdliche Zwecke und nach jagdlichen Kriterien züchten. Auf den Inseln beträgt der Bestand deutlich über 100.000 Exemplare und übertrifft damit die Bestandszahlen der meisten anderen mediterranen Rassen bei weitem. Die wenigsten dieser Hunde sind allerdings beim spanischen Hundezuchtverband RSCEregistriert.

Zur Jagd wird der Podenco Canario in Meuten eingesetzt, die bis zu zwölf Hunde umfassen. Die Landschaft der Kanarischen Inseln ist vulkanischen Ursprungs und von unzähligen natürlichen Schluchten und Erdspalten durchzogen, die den Kaninchen reichliche Versteckmöglichkeiten bieten. Durch seine Geschicklichkeit und sein außerordentliches Sprungvermögen, kombiniert mit der Trittsicherheit seiner mit sehr beweglichen Zehen ausgestatteten Pfoten ist der Podenco Canario dem unwegsamen Gelände seiner Heimat perfekt angepasst.

Sobald die Hunde von der Leine gelassen sind, beginnen sie unermüdlich, die Umgebung nach Anzeichen von Kaninchen zu durchsuchen. Dabei setzen die Hunde in erster Linie ihren Geruchssinn, aber auch ihr feines Gehör ein. Haben die Hunde ein verborgenes Kaninchen lokalisiert, wird ein Frettchen eingesetzt, das die unterirdische Verfolgung aufnimmt und die Beute an die Oberfläche treibt, wo sie entweder von den Hunden gefangen oder von den Jägern geschossen wird. Wenn der Podenco Canario ein Kaninchen fängt, bringt er es zu seinem Besitzer.

In Größe und Gesamterscheinung ist der Podenco Canario dem Pharaoh Hound (Kelb tal-Fenek) aus Malta recht ähnlich. Er ist ein elegant gebauter Hund von ausgesprochenem Windhundtyp, dessen auffälligstes Merkmal seine großen, beweglichen Stehohren sind. Die Größe des Podenco Canario beträgt maximal 64 cm (Rüden) bzw. 60 cm (Hündinnen). Wie beim Pharaoh Hound sind auch die Augen des Podenco Canario bernsteinfarben, die Nase rosa, im Ton jeweils der Fellfarbe angepasst. Bei genauerem Hinsehen fallen jedoch einige Unterschiede ins Auge: So hat der Podenco Canario einen auffallend langen, schmalen Kopf mit kaum ausgeprägtem Stop, und seine Ohren sind tiefer angesetzt – um es plastisch auszudrücken: Beim Pharaoh Hound stehen die Ohren auf “5 Minuten vor 1”, beim Podenco Canario stehen sie auf “10 Minuten vor 2”. Insgesamt ist der Podenco Canario leichter, eleganter und weniger kompakt gebaut als der Pharaoh Hound, und anders als bei seinem maltesischen Verwandten sind alle Kombinationen von weiß und rot erlaubt.

Podenco Canario

Das Wesen des Podenco Canario ist ausgesprochen freundlich; anders als andere mediterrane Rassen wird er in seinem Herkunftsgebiet nicht als Wachhund eingesetzt, so dass die meisten der Hunde auf den Kanaren keinerlei Misstrauen gegenüber Fremden aufweisen. Da er oft in Meuten mit wechselnder Zusammensetzung eingesetzt wird, ist auch das Sozialverhalten des Podenco Canario gegenüber Artgenossen zumeist unproblematisch. Unter den Rassevertretern, die von Tierschutzorganisationen nach Deutschland vermittelt werden, findet man allerdings mitunter recht ängstliche Exemplare. Dies kann darauf zurückzuführen sein, dass diese Hunde bisher kaum Kontakte zu Menschen hatten oder dass sie ihrem „Vorleben“ extrem schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Bevor man sich für einen solchen Hund entscheidet, sollte man sorgfältig überlegen, ob man wirklich in der Lage ist, auf ihn einzugehen und ihm seine Ängste zu nehmen.

Über die Geschichte des Podenco Canario ist nur wenig bekannt. Der Blick in den erst 1987 in Kraft gesetzten Rassestandard derFCI ist in dieser Beziehung wenig hilfreich: Der „kurze geschichtliche Abriss“ schreibt dem Podenco Canario zwar ein Alter von ca. 7000 Jahren zu, bezeichnet ihn als einen Hund altägyptischer Herkunft und macht Phönizier, Karthager, Griechen und die Ägypter selber für seine Einfuhr verantwortlich. An Belegen hierfür fehlt es jedoch vollkommen.

Gesichert erscheint mittlerweile, dass die Kanarischen Inseln zur Zeit der Antike in mehreren Einwanderungswellen vom nordwestlichen Afrika aus besiedelt wurden. Die Guanchen, wie sich diese ersten Siedler nannten, waren Verwandte der heutigen Berber; viele kanarische Ortsnamen weisen noch heute Parallelen zu Ortsbezeichnungen in Marokko und Algerien auf. Der Name „Islas Canarias“ bedeutet so viel wie „Hundeinseln“; eine Bezeichnung, die der römische Autor Plinius der Ältere in einem Bericht über eine Expedition des libysch-maurischen Königs Juba II. um 25 v. Chr. geprägt hat. Es ist jedoch nicht überliefert, welche Art von Hunden die Guanchen hielten. Da das Wildkaninchen erst nach der Inbesitznahme der Inseln durch Spanien im 15. Jahrhundert auf die Kanaren gelangte, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass der Podenco Canario in der heutigen Form bereits vor der spanischen Kolonisation existierte. Möglicherweise ist die Rasse das Resultat einer Vermischung eingeführter Podencos vom spanischen Festland bzw. von den Balearen mit den bereits auf den Inseln vorhandenen Hunden der Guanchen – und es gibt wenig Grund anzunehmen, dass sich unter letzteren nicht auch Hunde des mittelgroßen, stehohrigen Pariatyps mit gelblicher bis roter Fellfarbe befunden haben, die man in vielen Regionen rund um das Mittelmeer sowie in weiten Teilen Afrikas antrifft, und die auch bei der Entstehung der anderen mediterranen Rassen Pate gestanden haben dürften.

Podenco Canario

Anders als etwa beim Pharaoh Hound spielen aber Spekulationen über die Geschichte der Rasse bei den meisten Liebhabern des Podenco Canario keine Rolle – die kanarischen Jäger sind ohnehin ausschließlich an den jagdlichen Qualitäten ihrer Hunde interessiert, und ihre geringe Verbreitung außerhalb Spaniens hat die Rasse bisher davor bewahrt, für die Belange des Ausstellungswesens verändert zu werden.

Erst seit den neunziger Jahren ist überhaupt eine größere Anzahl von Exemplaren der Rasse ins Ausland gelangt. Überwiegend geschieht dies bis heute durch Tierschutzorganisationen. Auf den Kanarischen Inseln sind verschiedene Vereine tätig, die ausgesetzte Hunde vermitteln, darunter oft auch Vertreter der Rasse Podenco Canario. So sinnvoll es in jedem Einzelfall ist, einen Hund vor dem Tod auf der Straße oder in der Tötungsstation zu retten, so wenig ändert dies allerdings an der Problematik schlechter Tierhaltungen. Wer daran interessiert ist, die Lebensbedingungen der Hunde nachhaltig zu verbessern, sollte also nachfragen, in wie weit der Verein über die reine Tätigkeit der Vermittlung hinaus auch Aufklärungsarbeit leistet, um die Einstellung der Menschen (vor allem der jungen Generation) zu Tieren positiv zu beeinflussen. Auch sollte man sich davor hüten, alle Jäger der Kanaren pauschal als schlechte Tierhalter abzustempeln – die Mehrheit der Jäger hält ihre Hunde artgerecht, wenn auch das Umfeld nicht immer mitteleuropäischen Vorstellungen entspricht.

Bis heute findet man in Deutschland fast ausschließlich Rassevertreter, die aus dem Tierschutz kommen. Immer mehr Besitzer dieser Hunde entdecken den Windhundsport als eine Möglichkeit, den rassetypischen Bewegungsdrang ihrer Hunde zu befriedigen. Einige Hunde sind mittlerweile im DWZRV registriert und nehmen offiziell an Rennen, Coursings und Zuchtschauen teil.

Wird das große Laufbedürfnis des Podenco Canario täglich genügend berücksichtigt, verhält er sich im Haus ruhig. Er ist dann ausgeglichen und kann stundenlang eng zusammengerollt zufrieden in seinem Körbchen schlafen. Jeder, der sich für einen solchen Hund entscheidet, muss sich jedoch im Klaren sein, dass sein jagdlicher Ursprung bedeutet, dass er auch bei bestem Gehorsam in unserer beengten Umwelt nicht immer und überall ohne Leine laufen kann. Gerade bei Hunden mit unbekannter Vorgeschichte muss man vorsichtig erkunden, wie ausgeprägt ihre jagdliche Motivation ist. Auf jeden Fall muss man gezielt nach Gebieten suchen, in denen auch bei der Instinktlage und dem Bewegungsradius des Podenco Canario Freilauf möglich ist und das Risiko dennoch gering bleibt.

 

Quelle: DWZRV

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